Die Wiederbesiedlung des Landkreises Hersfeld-Rotenburg durch den Wanderfalken

Ein Bericht von Frank Dach

Foto Frank Dach
Foto Frank Dach

Zu Beginn der fünfziger Jahre war der Wanderfalke in Deutschland flächendeckend vorhanden. MEBS und SCHMIDT (2006) sprechen von etwa 450 Paaren. BRAUNEIS (2009) beziffert den Bestand für 1959, nach Abfrage in allen Bundesländern auf ca. 850 Paare. In Hessen waren es wohl etwa 30 Paare. Zwischen Mitte und Ende der 50er Jahre begann deutschlandweit der Rückgang. Schrumpfte zuerst die Gelegegröße, folgte dann der Rückgang der Schlupfrate. Die Ursachen hierfür waren vielfältig. Neben menschlicher Verfolgung, illegalem Abschuss und Störungen während der Brutzeit wurde als Hauptursache das DDT (=Dichlordiphenyltrichlorethan) ausgemacht, welches als Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft eingesetzt wurde und eine Störung des Kalkstoffhaushaltes der Vögel zur Folge hatte. Die Eier wurden dünnschaliger und zerbrachen beim Bebrüten. Der Nachwuchs blieb aus und die Altvögel wurden immer älter und zeugungsunfähiger. Für 1970 schätzte man den Restbestand auf nur noch ca. 50 Paare, die sich auf die Höhenlagen Baden-Württembergs (Schwarzwald und Schwäbische Alb) und den Alpenrand konzentrierten. Nördlich der Mainlinie war der Wanderfalke praktisch ausgestorben. Als Folge dieser Entwicklung organisierten sich in ganz Deutschland Wanderfalkeninteressierte um zu retten, was noch zu retten war. 1965 gründete sich als erste Schutzorganisation die AGW (Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz), die sich ausschließlich im Bundesland Baden-Württemberg um die verbliebenen Restbestände des Wanderfalken kümmerte. Wenig später erfolgte die Gründung der AWU (Aktion Wanderfalken- und Uhuschutz). In ihr sammelten sich Wanderfalkenfreunde aus vielen Teilen der Bundesrepublik, vor allem aber Hessen. Das Engagement galt zunächst vor allem den Restbeständen am Alpenrand. Ab 1975 war durch die strengen Schutzmaßnahmen und das Verbot von DDT ein leichter Aufwärtstrend erkennbar, aber eine Wiederbesiedlung Mittel- und Nordhessens schien noch in weiter Ferne zu liegen. Anfang der 70er Jahre glückte es den ersten Falknern Wanderfalken in Gefangenschaft zu züchten. So wurde 1977 nach eingehender Beratung zwischen Staatlicher Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, der ONB in Kassel und der HGON beschlossen, in Nordhessen Gefangenschaftszuchten auszuwildern. Gleichzeitig gingen wir daran, ehemalige Brutplätze des Wanderfalken wieder herzurichten, z.B. vom Bewuchs zu befreien.

Die erste Brut eines Wanderfalken im Landkreis Hersfeld-Rotenburg fand 2001 an einem ehemaligen Brutplatz nahe Rotenburg statt. Zwei Junge kamen zum Ausfliegen. Mit der Installation von Nisthilfen an den Brücken der ICE-Trasse Würzburg - Hannover erfolgten weitere Ansiedlungen. Auch die Mitglieder des NABU Bad Hersfeld bemühten sich um die Ansiedlung des Wanderfalken. So war Hermann Glebe sehr aktiv und konnte einige Nisthilfen installieren, bzw. deren Installation organisieren. Im Jahre 2013 stellten wir im Landkreis Hersfeld-Rotenburg 11 Wanderfalkenrevierpaare fest. 8 Paare brüteten erfolgreich und brachten 20 junge Wanderfalken zum Ausfliegen. Seit der Wiederansiedlung wurden in diesem Landkreis insgesamt 148 Jungvögel flügge!!

Fotos von Frank Dach

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